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 Er ist wieder da, und
zwar ganz offiziell seit
gestern: der Nabu-Beob-
achtungsturm am Elbe
radweg zwischen Tanger-
münde und Buch. Nach
fast drei Jahren „ohne“ ist
es geschafft, den durch
Brand vernichteten Holz-
turm durch einen neuen
zu ersetzen.

Von Anke Hoffmeister

Buch •„Ich finde es erst einmal
empörend, dass ein solcher
Aussichtspunkt durch Brand-
stiftung vernichtet wurde“,

sagte Sachsen-Anhalts Um-
weltministerin Claudia Dalbert
(Bündnis 90/Die Grünen)
gestern bei ihrem Besuch am
Elbdeich zwischen Buch und
Tangermünde. „Es ist unheim-
ich wichtig, Natur erlebbar zu
machen. Denn nur dann sind
die Menschen auch bereit, da-
für ihren Beitrag zu leisten“,
gab sie zu verstehen. Und sie
lobte, dass hier vor Ort der Na-
turschutzbund mit Umweltbil-
dung und Tourismus Hand und
Hand arbeitet. Nicht überall sei
das so selbstverständlich wie
hier. „Umso schöner ist es, dass
wir heute wieder auf diesem
Turm stehen können.“

6,80 Meter über der Erde

Von 1999 bis 2016 hatte der
Aussichtsturm Jahr für Jahr
Tausende Einheimische, aber
auch Radtouristen auf die Aus-
sichtsplattform, die sich heute
6,80 Meter über der Erde befin-
det, gelockt. „Eine Flussland-
schaft wie die unsere bietet

viele Erlebnisse“, machte Uta
Neuhäuser, Leiterin des Um-
weltbildungszentrums Zönu,
deutlich. „Von hier aus können
wir Natur beobachten ohne zu
stören.“


2016 war der Turm im Som-
mer mitten in der Nacht ab-
gebrannt. Viele hätten es sehr
gern gesehen, dass er bereits
im Frühjahr des darauffolgen-
den Jahres wieder gestanden
hätte. Doch Peter Neuhäuser,
Nabu-Kreisverbands-Chef,

stellte über Leader einen An-
trag auf Förderung des Projek-
tes, zu dem nicht nur der Wie-
deraufbau des Turms gehörte,
sondern aus dem letztendlich
ein Vier-Komponenten-Projekt
wurde, bei dem der Turm die
größte und umfangreichste
 wurde. Dirk Rohbeck mit sei-
ner Zimmerei aus Gladigau ver-
baute von August bis Dezember

16 Festmeter Lärchenholz nach
 

einem Projekt, das der Oster-
burger Architekt Burkhardt
Melzian erarbeitet hatte. Mel-
zian begleitet Zönu und Nabu
von der ersten Stunde an, hatte
die Ökoscheune und auch den
ersten Turm projektiert.

Vor dem Aufbau des Turms
bekam dieser ein neues Fun-
dament, da das erste durch den
Brand erheblich geschädigt
worden sei, so Neuhäuser. Für
Dirk Rohbeck war der Bau die_
ses Turms ein besonderes Er-
lebnis. „Ich dachte, wir wären
hier draußen ganz allein“, gab
er zu verstehen. „Doch beim
Rückwärtsfahren musste man
schon immer aufpassen, dass
man niemanden umfährt.“
Selbst der Seeadler sei täg-
lich da gewesen und habe die
Arbeiten verfolgt, berichtete
der Zimmermann. Den Adler
konnte gestern auch jeder se-
hen, der durch die bereitgestell-
ten Fernrohre schaute.
Nicht nur die Radtouristen und Einheimischen sind
Jahr für Jahr auf dem Turm
gewesen. Auch viele Kinder
und Jugendliche hatten in der
Vergangenheit von hier aus
die Natur beobachtet, machte

Uta Neuhäuser deutlich. Für
sie alle kann das Zönu jetzt
wieder Ausflüge an den Deich
anbieten.

UNSERE WILDNIS

Neue Broschüre erschienen:Preview
Warum Deutschland mehr Wildnis braucht

In der neu veröffentlichten Broschüre “Wo Natur sich selbst gehört” - Warum wir mehr Wildnis in
Deutschland brauchen”
 hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare
Sicherheit (BMU) Argumente für mehr Wildnis zusammengestellt.

Neben der Frage ,,Was ist Wildnis in Deutschland“ werden im Hauptteil der Broschüre Funktionen
und Gründe vorgestellt, die für mehr Wildnis in Deutschland sprechen. Außer
naturwissenschaftlicher und politischer Beweggründe wird auch der Wert der Wildnis für die
Gesellschaft beschrieben.

Den Downloadlink zur Broschüre sowie weiteren Publikationen zum Thema finden Sie hier.


Neuer Nabu-Turm seit gestern frei

 

 

 Leader förderte Projekt

Regine Schönberg, Inhaberin
des Tangermünder Tourismus-
büros, begrüßte die Eröffnung
des neuen Turms. „Der Turm
fehlte massiv“, sagte sie. Für
Touristen und auch Einheimi-
sche sei dieses Fleckchen Erde
ein beliebtes Ausflugsziel.
Neben dem neuen Turm
wurde über das Förderpro-
gramm Leader außerdem der
Ankauf einer sechs Hektar gro-
ßen Wasserfläche im Nordteil
des Bölsdorfer Hakens, der Bau
von zwei Nistflößen, die uner-
reichbar für Mink und Wasch-
bär sind, sowie die Pflanzung
eines zwei Hektar großen Au-
waldes auf Nabu-eigener Fläche
möglich.

110 000 Euro kostete das
komplette, zu 80 Prozent geför-
derte Projekt. Zum Wiederauf-
bau des Turmes hatten im Üb-
rigen auch die Mitglieder des
Modellflugclubs (MFC) Albatros
mit einer Spende beigetragen.

Noch leuchtet das Lärchenholz röt-
lich, ist es grau geworden, hat es seinen Selbstschutz angenommen.

Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert hatte gestern gemeinsam mit dem Nabu-Kreisvoritzenden Peter Neuhäuser im Handumdrehen den Knoten gelöst und damit den neuen Beobacht-
ungsturm freigegeben.

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Eine traumhafte Aussicht auf die Elbwiesen, die derzeit zum Teil
überflutet sind, bot sich gestern vom Turm aus. Fotos: A. Hoffmeister

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aktualisiert am:
Sonntag, 21. April 2019
 

 

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