Wildnis an der Elbe

Intakte Flussauen mit ihrem typischen jahreszeitlichen Wechsel von Eisgang, Hoch- und Niedrigwasser sind eine moderne Arche Noah. Auwälder und Wiesen, mächtige Flußschleifen, Altwässer, Bracks und Kolke sowie die von Binnendünen überzogenen Talsandränder - kein anderes Ökosystem in Mitteleuropa beherbergt eine vergleichbare Lebensraum- und Artenvielfalt. Über 12.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten kommen hier vor, darunter viele ausgesprochene Seltenheiten. Von den „Big Five“ der Elbe - Biber, Otter, Storch, Kranich und Adler (BOSKA) - bis zum Hirschkäfer und Ameisenbläuling.

Auen sind mit Weidelandschaften von Natur aus eng verknüpft. Die großräumigen saisonalen Tierwanderungen in prähistorischer Zeit verbanden Auen als Wintereinstände mit dem angrenzenden Flachland und Gebirge. Waldelefant und Wollnashorn, Flusspferd, Wasserbüffel, Elch, sowie Auerochse und Wildpferd kamen in den Auen Mitteldeutschlands vor. Die großen Weidetiere prägten die Landschaft und schufen einen eigenen Kosmos - durch Tritt, Suhlen und Wälzen, Verbiß, die Verbreitung von Samen und Früchten, und nicht zuletzt durch ihren Kot, der einer ganzen Gilde von Zersetzern (Insekten, Pilze) einen Lebensraum ermöglichte.

Moderner Naturschutz verbindet heute in möglichst großräumigen naturnahen Weide- und Hutelandschaften die Dynamik der Auen mit der Dynamik des Wirkens der großen Pflanzenfresser. Für die Entwicklung der Landschaft werden „Abbildzüchtungen“ der ausgerotteten Wildformen von Auerochse (Europäisches Wildrind; ausgestorben 1627) und westlichem Wildpferd (Tarpan; ausgestorben um 1918) eingesetzt, die ganzjährig im Freiland leben und arteigene Sozialverbände bilden. Die seit ca. 7.000 Jahren in Asien domestizierten und bis in das 12. Jahrhundert in Deutschland weit verbreiteten Wasserbüffel sowie die aus Südschottland stammenden Galloway-Rinder kommen bevorzugt auf feuchten Standorten zum Einsatz. 
Lokal wird die Tarpan-Abbildzüchtung „Konik“ von den aus Südengland stammenden Exmoor-Ponies ersetzt.
Wildschwein, Reh und Elbebiber ergänzen die Gemeinschaft der großen Pflanzenfresser.

Das NABU-Elbezentrum hat in den Naturschutzgebieten Elsholzwiesen bei Buch und Bucher Brack bei Jerichow zwei großräumige Weidelandschaften eingerichtet. Beobachtungstürme gestatten den Besuchern eindrucksvolle Erlebnisse, die für die Tierwelt störungsfrei sind. Eine Schauweide in Buch erlaubt den unmittelbaren Kontakt mit den Tieren. Unter dem Motto „Wilde Landschaft – KOSTbar“ werden kulinarische Bio-Spezialitäten von unseren Galloways angeboten.

Gern führen wir Sie persönlich in die Wildnis; per pedes, im Kremser, auf dem Rad, oder im Schlauchboot bzw. Fischerkahn.

Wir laden Sie herzlich ein, Wildnis im Biosphärenreservat Mittelelbe zu erleben!

 

aktualisiert am:
Donnerstag, 27. Oktober 2016
 

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